Rede an die „Freiheit“
(Gehalten bei der „Freiheit ist nicht wählbat!“-Dmeo am 26. August 2011, vor der Parteizentrale von „Die Freiheit“)

Was Ausgrenzung ist, erfährt man eindrücklich, wenn man in diesem Lamd geboren ist und dennoch im Alter von 16 Jahren zur Ausländerbehörde muss, um aus dem vorläufigen ein unbefristetes Aufenthaltsrecht zu machen. Ich wiederhole, wenn man hier geboren ist und nur die Aufenthaltsgenehmigung, nicht die deutsche Staatsbürgerschaft begehrt.

Man stellt sich mit seinen Eltern um vier Uhr in der Frühe an eine Schlange, die WIRKLICH drei Mal um das Gebäude führt. Etwa um zehn betritt man das Gebäude und rückt allmählich zum Schalter, den man etwa um die Mittagszeit erreicht. Einem wird mitgeteilt, dass keine Wartenummern mehr zu vergeben sind.

Die Prozedur wiederholt sich am nächsten Tag, mittags ergattert man eine Nummer, wartet zwei weitere Stunden. Einem wird dann mitgeteilt, dass man falsch geschickt worden ist. Man geht in ein anderes Stockwerk, wartet wieder zwei, drei Stunden. Das Gebäude ist vollgestopft mit Menschen, die ebenfalls warten. Man kommt endlich ran, man übersetzt für seine Eltern, lässt die herablassende Art der Beamt*innen über sich ergehen. Einem wird diesmal mitgeteilt, dass irgendein Nachweis fehlt.

Tags darauf, mit dem Nachweis, wartet man wiederum Stunden um Stunden, um die Unterlagen einzureichen. Man reicht sie ein, muss woanders hin – und warten.

Endlich wird man hereingebeten und gefragt, was man denn möchte. Wenn man antwortet, man wolle die unbefristete Aufenthaltgenehmigung, werden die Unterlagen durchschaut, während man dabeisitzt und wartet.Zum Schluss wird einem mitgeteilt, dass man auf den Bescheid, der zugeschickt wird, warten soll. Noch deutlicher kann einem kaum vermittelt werden, dass man nicht erwünscht ist, nicht dazugehört.

Wir bauen Communities auf, in denen wir uns geschützt fühlt und die exemplarisch für ein globales Großstadtphänomen sind, und ihr nennt sie auf eure provinzielle Art „Parallelgesellschaft“.

Ihr schreibt die Rechte der muslimischen Frauen auf eure Fahnen, dabei interessiert ihr euch einen Scheißdreck für unsere Sorgen und Nöte. Unsere Eltern wurden wie eine Herde Esel nach Deutschland geholt, um euch bei der Transformation eurer verbrecherischen Kriegsindustrie a la Thyssen Krupp in die Friedensindustrie zu helfen. Um eure fehlenden Arbeitskräfte, die auf den Schlachtfeldern verheizt worden sind, zu kompensieren, um der Kriegs- und Nachkriegsgeneration die Renten abzusichern. Der Generationenvertrag wäre ohne unsere Zuwanderung nicht möglich gewesen. Unsere Eltern wollen keine Anerkennung dafür, sie dulden die beleidigende Art, wie mit ihnen umgegangen wird. Sie wollen einfach ihre Ruhe, sie wollen in Ruhe altern, sich um ihre Enkelkinder kümmern und Freitags zum Gebet in die Moschee gehen.

Euch war es Jahrzehnte lang egal, ob wir eure Sprache sprechen oder ob wir die Kanzler aufsagen können. Während deutsche Kinder gelernt haben, ihre Namen zu tanzen, mussten wir auf den Behörden als Dolmetscher und Anwälte unserer Eltern auftreten und ertragen, wie sie schikaniert und erniedrigt werden. Unsere Probleme, die wir in der Familie, an den Schulen und mit der Identität hatten, waren uns selbst überlassen.

Was können heute unsere Kinder dafür, dass euer marodes Bildungssystem ein schlechtes Pisa-Ergebnis nach dem anderen hervorbringt? Was haben unsere Väter mit Al-Quaida zu tun? Was können unsere bedeckten Frauen für das Jahrzehnte lange Versagen der Innenpolitik? Was haben die sozialen Folgen eurer Blut-und-Boden-Ausländerpolitik mit den postkolonialen Erschütterungen in der muslimischen Welt zu tun?

Wir brauchen eure Lügen nicht. Was wir brauchen, ist eine Weltstadt, die ihren Namen zurecht trägt, weil ihre Bürgerschaft keine Angst vor Gotteshäusern hat, in einem Land, das seine Einwanderungsregelung an die Zeit anpasst. Wir brauchen Bildung und gesellschaftliche Teilhabe, bla,bla,bla. Wir machen uns keine Illusionen über zivile Lösungsansätze in Deutschland, schon gar nicht von dir, Stadtkewitz. Wir wollen nur euer nationalistisches Gedankengut entblößen, das sich hinter eurer sogenannten Islamkritik und euren rassistischen Erklärungsansätzen gesellschaftlicher Probleme verbirgt. Eure Thesen riechen nach Brandsatz. Hier in Berlin werdet ihr keinen Fuß reinbekommen, denn wir werden es nicht zulassen. Ihr seid keine Kreuzritter, ihr seid ein Haufen unintegrierter, alter Männer, und ihr kriegt in Geschichte die Note 6 !!!!