Situation der Sinti und Roma in Rumänien
Redebeitrag: Gehalten bei der Demo gegen die antiziganistischen Pogrome in Bulgarien und Tschechien (6. Oktober 2011, Berlin-Mitte)
In Rumänien leben heute rund 2,2 Millionen Roma, das entspricht rund 10 Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie werden von den Behörden diskriminiert und von der Gesellschaft ausgegrenzt. Etwa drei Viertel der Roma leben in Armut, während andererseits knapp ein Viertel der rumänischen Mehrheitsbevölkerung von Armut betroffen ist.
Vorurteile gegen die Roma sind weit verbreitet. Sie entluden sich in den ersten Jahren nach dem Sturz der Diktatur 1989 in Vertreibungen und schweren Übergriffen auf Menschen und Besitz, wobei die Täter überwiegend straflos blieben. Vielerorts versuchen die Behörden auch heute, Roma abgelegen in der Nähe von Kläranlagen und Müllkippen, weit ab von den gut erschlossenen Wohngebieten der Mehrheitsbevölkerung anzusiedeln. Schuld daran ist auch eine rigide Wohngesetzgebung, die kein Recht auf Wohnen vorsieht.
Roma, die nicht in Häusern und Wohnungen mit eindeutigen Besitz- oder Mietverhältnissen leben, werden geräumt, selbst wenn sie schon sehr lange dort leben. Betroffen ist vor allem die große Mehrheit der armen Roma, die meist keine Dokumente über ihre Wohnverhältnisse besitzen. Sie verlieren aber nicht nur ihr Zuhause. Sie verlieren ihren Besitz, ihr städtisches soziales Umfeld, den Zugang zu Arbeit und staatlichen Almosen. Ihr Leben ist gekennzeichnet von ständiger Angst und Unsicherheit.
Seit 2007 ist Rumänien EU-Mitglied und wird einer sozialdemokratischen Partei regiert. Trotz der EU-Mittel für Wohnungsbau und Armutsbekämpfung hat sich an den Zwangsräumungen und der Gesetzeslage in Rumänien bisher nichts geändert.




