Situation der Sinti und Roma in Ungarn
Redebeitrag: Gehalten bei der Demo gegen die antiziganistischen Pogrome in Bulgarien und Tschechien (6. Oktober 2011, Berlin-Mitte)
In Ungarn regiert seit 2010 eine rechte Regierungskoalition, die von Viktor Orbán angeführt wird. Seit 2004 ist das Land Mitglied der EU und sorgt regelmäßig mit nationalistischen und autoritären Maßnahmen im europäischen Ausland für Unmut (Stichwort: Medienkontrollgesetz). Dem nationalistischen und vormodernen Kulturkampf gegen das angeblich so liberale Europa fallen auch die Minderheiten in Ungarn zum Opfer. Die rechte Partei „Jobbik“ und die „Ungarische Garde“ organisieren ständig Aktionen gegen angebliche „Zigeunerverbrechen“.
Roma stellen etwa 2 Prozent der Bevölkerung. Der ungarische Antiziganismus erschafft sich seine eigenen Feindbilder. Die Roma werden dermaßen strikt ausgegrenzt, dass innerhalb dieser Minderheit eine sehr hohe Arbeitslosenquote herrscht, die weit mehr als 50 % beträgt. Den arbeitslosen Roma – die keine Anstellung finden können – wird dann vorgeworfen, nicht arbeiten zu wollen. Für die Wirtschaftskrise, die Ungarn hart getroffen hat, werden vor allem Roma verantwortlich gemacht. Dabei spiegeln die Roma in ihrer Armut die Ängste der Ungarn vor dem sozialen Abstieg wieder.
Laut Amnesty International sind sie, mit der neuen Regierung, unvermindert gewalttätigen Angriffen und Diskriminierung ausgesetzt. Eine Serie von Angriffen in den Jahren 2008 und 2009 mit mehreren Toten bleibt unaufgeklärt – das Verfolgungsinteresse bei rassistischen Verbrechen ist gering. Roma-Kinder werden schon in der Grundschule isoliert und in separaten Klassen unterrichtet. Anfang dieses Jahrtausends kam es zu Zwangssterilisationen von Roma-Frauen.




